{"id":14,"date":"2014-08-23T14:07:55","date_gmt":"2014-08-23T12:07:55","guid":{"rendered":"http:\/\/hans.hamami.de\/?page_id=14"},"modified":"2025-12-19T17:25:50","modified_gmt":"2025-12-19T15:25:50","slug":"14-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hamami.de\/?page_id=14","title":{"rendered":"Der Phol und der Zwirlezwack"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.hamami.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/zwirlezwack.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-26\" src=\"http:\/\/www.hamami.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/zwirlezwack.jpg\" alt=\"zwirlezwack\" width=\"296\" height=\"421\" srcset=\"https:\/\/www.hamami.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/zwirlezwack.jpg 296w, https:\/\/www.hamami.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/zwirlezwack-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><\/a>Schaurig ist es im Pholsgrund<\/strong>, wo die wilden Phole, die Ausgeburten der H\u00f6lle, unbescholtene Wanderer in die Irre f\u00fchren, Blitze und Donner schleudern und den zarten M\u00e4gdelein auflauern, die vom F\u00fcrstenschloss durchs Tal kommen. Auch Mechthild von der Bache, unschuldig und fromm, verf\u00e4llt dem Werben des gr\u00fcnen J\u00e4gers, der ihr als Bader, sp\u00e4ter als Wanderbursche begegnet. Doch seine Absichten sind alles andere als lauter \u2026<\/p>\n<p><strong>Auch die alte Walburga<\/strong> glaubt ihren Augen nicht zu trauen, als eines Tages der Zwirlezwack auftaucht und wie besessen am Waldrand herumh\u00fcpft. Ein Waldschrat? Ein verwilderte Sohn der Natur? Die Dorfbewohner argw\u00f6hnen nichts Gute, als sie ihn mit viel Geduld in die H\u00fctte einl\u00e4dt, und schlie\u00dfen die Walburga aus ihrer Dorfgemeinschaft aus. Als der Zwirlezwack eines Tages klafterweise Holz schl\u00e4gt und einen Kreis hinter ihrem Haus zieht, wird es auch der Walburga anders. Hans-Manfred Milde erz\u00e4hlt zwei Geschichten aus dem Riesengebirge. Seltsame Zeitgenossen, geheimnisvolle Wanderburschen, neugierige Dorfbewohner behaupten sich gegen die Geheimnisse der Natur. Ob Mechthild oder Walburga die Geheimnisse l\u00fcften k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><strong>Doch wer Hans-Manfred Milde kennt<\/strong>, wei\u00df, dass er bis zum Schluss eine \u00dcberraschung bereit h\u00e4lt.<\/p>\n<p><div class=\"spoiler-wrap\">\n\t\t\t\t<div class=\"spoiler-head folded\">Spoiler<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"spoiler-body\"><br \/>\nLeseprobe: Der Phol und der Zwirlezwack<\/p>\n<p>\u201eDeine Jungfr\u00e4ulichkeit w\u00e4re ein Geschenk f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n<p>Die sonore Stimme, die diesen Satz hauchte, bekam in den langen G\u00e4ngen des Kellergew\u00f6lbes unter dem gro\u00dfen Schloss einen dr\u00e4uenden Nachhall. Es klang, als spiele der Wind in st\u00fcrmischen N\u00e4chten mit den Wipfeln der B\u00e4ume. Die Worte wogten, kamen von vielen Seiten in Wellen zur\u00fcck. In den Ohren der jungen Magd, die ihre vielf\u00e4ltigen grauen R\u00f6cke wie eine Kordel vor dem zitternden K\u00f6rper zusammendrehte, l\u00f6sten sie Erschrecken, aber auch bange Erwartung aus.<\/p>\n<p>Sie war neu im Schloss, die junge Magd. Vor drei Tagen erst eingestellt zur niederen Arbeit in K\u00fcche und Keller, waren Mechthild weder die \u00d6rtlichkeiten noch die genaue Verrichtung der ihr aufgetragenen Arbeit hinreichend bekannt. So nahm es nicht Wunder, dass sie sich in den unendlichen G\u00e4ngen unter dem Schloss verlief. In ihrer Not schrie sie lauthals um Hilfe. Zu allem \u00dcbel fiel ihr auch noch die Laterne aus der Hand. Die Flamme erlosch. Mechthild hatte gelernt zu beten, zu beten in aller Not. Von irgendwo werde ein Lichtlein herkommen, versprach ihr Gebet. Und so war es auch. Ob es am Gebet gelegen, oder an ihren Angstschreien, das blieb ihr gleich. Hell wurde es pl\u00f6tzlich um sie, ein unwirkliches Licht, aber hell genug, ihr die T\u00fcr zu zeigen, die zugefallen war. Vor dieser T\u00fcr aber stand, hoch aufgerichtet, ein junger Mann, der, wie es schien, ein blau schimmerndes Leuchten in den H\u00e4nden trug.<\/p>\n<p>\u201eIch dank Euch, Herr!\u201c, stammelte die jungfr\u00e4uliche Magd und machte einen braven Knicks. \u201eIch dank Euch! K\u00f6nnt\u2019 ich meine Ungeschicklichkeit nur wieder gut machen.\u201c<\/p>\n<p>Jedes einzelne Wort brachte das Echo wieder.<\/p>\n<p>\u201eMeinen Wunsch tat ich dir kund. Alles l\u00e4sst sich wiedergutmachen. Wohl an, M\u00e4gdelein.\u201c<br \/>\n\u00dcber diese befremdlichen Worte erschrak die K\u00fcchenmagd bis ins tiefste Innere. Das Frohlocken, welches in der Stimme des Unbekannten mitklang, blieb ihr nicht verborgen.<br \/>\n\u201eW\u00fcsste ich nur, wer er ist\u201c, stammelte Mechthild in sich hinein und dr\u00fcckte die gerollten R\u00f6cke noch fester an ihren Leib. Ist er ein h\u00f6herer Lakai? Oder gar einer der F\u00fcrstens\u00f6hne? Was nur tun?<br \/>\nIhr Gr\u00fcbeln dauerte zu lange. Das bl\u00e4uliche Licht, welches die Umrisse der rettenden T\u00fcr gezeigt, erlosch. Verschluckt von der Dunkelheit auch die Gestalt. Nur schwerer Atem war noch zu h\u00f6ren. Mechthild wusste nicht, ob er allein ihrem Munde entfloh.<br \/>\n\u201eDein Missgeschick wolltest du tilgen\u201c, h\u00f6rte die Magd von der lockenden Stimme, die ihr sehr nahe war. Und h\u00f6rte zugleich ihr pochendes Herz.<br \/>\n\u201eSchenk sie mir, deine Jungfr\u00e4ulichkeit \u2026\u201c, hallte es durch den Gang. Und pl\u00f6tzlich sp\u00fcrte Mechthild die Hand, die nach ihr griff. Willenlos war sie und wie bet\u00e4ubt. Wie in einer nahenden Ohnmacht nahm sie die Finger wahr, die ihr den Rock entrollten. Ihre Sch\u00fcrzenb\u00e4nder l\u00f6sten. Das Tuch von ihren Haaren zogen. Und auf einmal gab es keine Dunkelheit mehr. Keine K\u00e4lte. Was f\u00fcr eine Ohnmacht? Und warum?<br \/>\nUnd pl\u00f6tzlich ist da ein Blitz. Ein Stich. Ein Schrei.<br \/>\nDas M\u00e4gdlein sieht den Blitz mit geschlossenen Augen. Sp\u00fcrt den Stich, der ihren Leib zerteilt. H\u00f6rt den Schrei, der ihrer r\u00f6chelnden Kehle entweicht. Ein Sog erfasst sie. Eine Sturmflut mit peitschenden Wellen. Danach ein ma\u00dfloses Wallen, ein wildes Wogen. Wohin nur, wohin?<br \/>\nAls Mechthild wieder erwachte, wusste sie nicht, ob sie gest\u00fcrzt oder was sonst mit ihr geschehen war. Am Boden, direkt neben ihrer Hand, stand ihre leuchtende Laterne. Die flackernde Flamme warf lange Schatten. Am Kerzenstummel flossen dicke Tropfen herab. Wie rinnende Tr\u00e4nen.<br \/>\nMechthild erhob sich, ordnete sorgf\u00e4ltig ihre Kleider, band ihre Haare ins Tuch. Erst dann \u00f6ffnete sie die schwere Eisent\u00fcr.<br \/>\nENDE DER LESEPROBE<\/div>\n\t\t\t<\/div><br \/>\n<strong>Der Wunderwaldverlag, Erlangen 2010<br \/>\nISBN 978-3-940582-28-7<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">Vergriffen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schaurig ist es im Pholsgrund, wo die wilden Phole, die Ausgeburten der H\u00f6lle, unbescholtene Wanderer in die Irre f\u00fchren, Blitze und Donner schleudern und den zarten M\u00e4gdelein auflauern, die vom F\u00fcrstenschloss durchs Tal kommen. 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